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OLDTIMER-NEWS:

Bugatti La Voiture Noire – Neuauflage einer Legende

Vorbild: Bugatti Type 52

Es war schon immer etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben. In diesem Fall kostet das exklusive Stilgefühl seinen berühmten Besitzer runde elf Millionen Euro netto (ohne Umsatzsteuer) und steht für ein Auto, das sich in diesen Tagen nach zweijähriger Bau- und Erprobungszeit zu einer Reihe anderer Raritäten in seiner Garage gesellen darf. Für Cristiano Ronaldo dürfte die Summe kein Problem darstellen. Bedeutet sie für den Bugatti-Stammkunden wie das Magazin auto motor & sport mutmaßt, gerade mal gut vier Monatsgehälter des zurzeit noch bei Juventus Turin spielenden Superstars und mehrfachen Weltfußballer des Jahres.

„Mit dem fertiggestellten La Voiture Noire zeigen wir erneut, dass wir die edelsten Hypersportwagen der Welt entwickeln“, begeistert sich Stephan Winkelmann, Präsident von Bugatti Automobiles S.A.S. im französischen Molsheim. „Das Coupé mit seiner atemberaubenden Skulptur wirkt durch den Einsatz von Sichtcarbon in tiefem Schwarz besonders elegant. Ein wahrer Gran Turismo, der aus einer Vision zur Realität wurde. Ein einzigartiges Projekt, das die ganze Kreativität und Schaffenskraft von Bugatti darstellt.“

Vorbild für den Hypersportwagen bildete die Baureihe Bugatti Type 52, die zwischen 1932 und 1940 für das in den größten Stückzahlen und am längsten gebaute Modell stand und das als eines der wichtigsten der Marke des Unternehmens galt, das seit 1998 zum Volkswagenkonzern gehört. Offiziell verantwortlich für das damalige Projekt war Jean Bugatti, der Sohn des Unternehmensgründers Ettore Bugatti.

Teuerster Gebrauchtwagen der Welt

Aus der Reihe ragt das Type 57 SC Atlantic Coupé besonders heraus. Es gilt nicht nur als eine von Bugattis Legenden, sondern ist wahrscheinlich die größte. Als herausragendes Design-Merkmal diente ein aufgerichteter Kamm, der senkrecht vom Scharnier der teilbaren Motorhaube bis zum Heckende verlief. Nur vier Atlantic entstanden zwischen 1936 und 1938. Drei der außergewöhnlichen Coupés existieren noch. Sie gelten als die teuersten Automobile der Welt. Als Antrieb diente ein laufruhiger und starker 3,3-Liter-Reihen-Achtzylinder mit bis zu etwa 200 PS. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei über 200 km/h – in einer Zeit, in der auf vielen Straßen noch Kutschen unterwegs waren.

Nur drei der handgefertigten Fahrzeuge verkaufte Bugatti an Kunden. Das erste Modell sicherte sich der britische Bankier Victor Rothschild, das dritte der Geschäftsmann Jacques Holzschuh aus Paris und ein viertes ein weiterer Brite namens R. B. Pope. Heute gehört dieses Auto dem amerikanischen Modeschöpfer Ralph Lauren, der es sich angeblich auf einer Auktion 2010 runde 40 Millionen Dollar kosten ließ. Das Fahrzeug gilt daher als teuerster Gebrauchtwagen der Welt.

Zweiter Atlantic bis heute verschollen

Für sich persönlich ließ Jean Bugatti den zweiten Atlantic herstellen. Er allein sowie ab und an ein ausgewählter Freund, meist Rennfahrer des Hauses, durfte sich hinter das große Lenkrad des Coupés setzen. Bugatti nutzte den „La Voiture Noire“ – den schwarzen Wagen – mit einer vorderen Stoßstange und tieferen Türen als Modell für Prospektfotos und als Ausstellungsstück bei internationalen Fahrzeugmessen wie in Lyon und Nizza. Im Gegensatz zu den anderen Modellen verliert sich die Spur des Sportwagens nach 1938. Es ist nicht ganz klar, ob Jean Bugatti das Auto an einen befreundeten Rennfahrer verkaufte, oder ob es, was wahrscheinlicher ist, beim Einmarsch der deutschen Wehrmacht ins Elsass in eine sichere Region geschickt wurde. Fest steht: Der zweite gebaute Atlantic wurde bis heute nicht gefunden. Sein Verschwinden gilt als eines der größten automobilen Rätsel. Experten schätzen den Wert des Atlantics auf mehr als 100 Millionen Euro – wenn er jemals wieder auftaucht.

Dieses „La Voiture Noire“ (Das schwarze Auto), ein in den 1930er Jahren dem Jugendstil nachempfundenes Fahrzeug, stand nun Pate für das Unikat von 2021. Es geriet dank einer Reduktion auf das Wesentliche, mit reduzierten Ausprägungen der Linien und dem Verzicht auf einen großen und dominanten Heckflügel, zu einem ähnlich minimalistischen Coupé wie damals der Atlantic. Die Designer interpretieren den Geist des historischen Fahrzeugs neu, entwickeln stilistisch und technisch eine eigene Form. Dazu zählen der angedeutete Kamm in der Dachpartie, der verlängerte Vorderbau, die klaren Linien und das figurbetonende Heck. Die Oberfläche der Karosserie – Sichtcarbon mit Klarlack überzogen – erzeugt kaum Reflexionen. Die Stoßfänger integrieren sich sanft in die Karosserie, die Windschutzscheibe scheint fließend in die Seitenscheiben überzugehen, wie das Visier eines Helms.

Einzelstück aus Liebe zum Automobil

„Der La Voiture Noire stellt das ultimative Traumauto für eine lange Strecke dar, wie eine Fahrt von Molsheim nach Mailand. Die Kombination aus vollkommener Schönheit und kraftvollem Antrieb gipfelt in diesem Einzelstück, als Liebe zum Automobil“, erklärt sein Chefdesigner Achim Anscheidt. Wegen des längeren Radstandes und der neu entwickelten Karosserie ergibt sich eine neue Aerodynamik und ein neues Fahrverhalten, das dem eines Grande Tourisme würdig ist: leistungsstark, schnell und ausgesprochen komfortabel. „Mit dem La Voiture Noire zollen wir Respekt vor unserer langen Tradition, Frankreich und der kreativen Arbeit Jean Bugattis“, sagt Bugatti-Boss Stephan Winkelmann.

Bei aller Technik-Begeisterung darf nicht unter den Tisch fallen, dass der Blick auf die Verbrauchswerte von La Voiture Noire zeigt, dass sie als Saurier einer aussterbenden automobilen Gattung angehört. Bugatti gibt einen WLTP-Kraftstoffverbrauch von bis zu 43,33 Litern auf 100 Kilometer und kombinierten CO2-Emissionen von 505,61 Gramm pro Kilometer.

Für Christiano Ronaldo kein Problem, wohl aber für das Klima.

(ampnet/hrr/Fotos:Bugatti)

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