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OLDTIMER-NEWS:

25 Jahre Porsche Boxster – Happy Birthday, Roadster!

Harm Lagaay war Designer des Urmodels

Die Begeisterung der italienischen Autofans steht mir noch heute vor Augen: Es war Mai 1997, ich besuchte mit einem Freund die Mille Miglia. Er hatte kurz zuvor seinen silbernen Boxster ausgeliefert bekommen, damals noch ein ganz frisches Auto. So habe ich das seither mit kaum einem neuen Sportwagen erlebt. Nun gehört Porsches Roadster schon ein Vierteljahrhundert zum Straßenbild. Zum 25.Geburtstag blicken wir zurück und drehen nochmal eine Runde mit dem Urmodell.

Ich stehe mit Harm Lagaay, dem Designer des Urmodells, am Concept Car, aus dem das Serienmodell entwickelt wurde. Diese Studie ist ein perfektes Beispiel für den Zeitgeschmack Anfang der 90iger Jahre. Die rundliche, geschwungene Formensprache zieht sich durch das Design der Karosserieanbauteile bis hin zu den Schaltern und der Beschriftung der Instrumente durch. Die Wurzelholzoptik setzt noch eins obendrauf – im Innenraum mit halbdurchsichtigem, in braun meliertem Kunststoff, außen wurde sogar der „Boxster“ Schriftzug in Wurzelholzoptik lackiert.

Der teurere 911 sollte als solcher erkannt werden

Harm Lagaay berichtet, dass das Serienmodell etwas größer werden musste – unter anderem, damit die Passagiere ausreichend Platz haben. Und die schönen seitlichen Lufteinlässe waren zu klein: Der mittige Wasserkühler bekam zu wenig Luft und musste links und rechts zur Seite weichen. Der Boxster wurde breiter.

Eine wichtige Vorgabe war das Gleichteileprinzip zwischen Boxster (986) und 911(996). Bis zur B-Säule waren beide Modelle praktisch identisch, was Porsche aber auch gar nicht verschwieg: Es gibt Pressebilder, auf denen Boxster und 911 nebeneinander stehen und zum Vergleich einladen. Dieser Ansatz half Porsche damals aus einer finanziell angeschlagenen Situation: Der luftgekühlte 993 war nicht nur technisch überholt, sondern auch in der Produktion zu aufwendig und teuer geworden.

Beim zweiten Boxster, dem 987, wurde dann wieder mehr differenziert – vor allem auf Kundenwunsch, denn der teurere 911 sollte auch als solcher erkannt werden. Und beim 981 gab es dann sogar eine eigenständige Tür, eine breitere Karosserie und einen veränderten Radstand.

Der 982 wiederum brachte die Abkehr vom Sechszylinder-Boxer, aus Effizienzgründen und wegen der Hubraumbesteuerung in China, dem größten Einzelmarkt. Sogar die Modellbezeichnung wurde geändert. Boxster und der abgeleitete Cayman wurden zum 718. Und auf Kundenwunsch kam der GTS wieder mit Sechszylinder-Saugmotor, obwohl der Vierzylinder noch leichtfüßiger ist. Jetzt hat Porsche die Sonderfarbe der Studie – Neodyme – wieder aufgegriffen, von der es 1250 Exemplare geben wird, Basis ist der GTS mit 4.0 Saugmotor.

25 Jahre Entwicklung sind ein Riesensprung

Und wie manifestiert sich der Fortschritt am Lenkrad? Trotz des winterlichen Frühlings hatte ich das Glück, mit 986 und 982 „25 Jahre“ von Zuffenhausen aus mit offenem Dach durch den Schwarzwald Vergleichsfahrten durchzuführen. Im 986 fühlt man sich maßgeschneidert umschlossen, dicht an den Genen des legendären 550. Vom Porsche Museum wurde ein Boxster zur Verfügung gestellt, der noch das schmale Schnurtelefon installiert hat – ein nostalgisches Detail. Damals durfte man noch während der Fahrt das Telefon ans Ohr nehmen und Status dokumentieren. Im Innenraum ist alles logisch gestaltet, die Instrumente klar ablesbar, wie es sich für einen Sportwagen gehört. Der Auspuffsound auch bei höheren Drehzahlen überraschend dezent.

Die 204 PS (150 kW) Leistung zeigen, zumal in Verbindung mit der Tiptronic, ein verhaltenes Temperament. Doch das leichtfüßige, präzise Handling macht viel Freude und man ist bei sportlicher Gangart noch gefordert, Schwung aus der Kurve mitzunehmen. Beim 986 ist klar der Handschalter die erste Wahl – nicht zuletzt wegen der unlogischen manuellen Schaltgasse, in der man zum Hochschalten den Hebel wegdrücken muss.

25 Jahre Entwicklung sind ein Riesensprung. Schon akustisch, besonders wenn die entsprechende Taste gedrückt wurde, gehört der neuere 982 in eine andere Welt. Im Antritt im Vergleich zur ersten Serie ein Biest: Der 4.0 Sechszylinder Sauger sorgt stets für Leistung im Überfluss. Auch wenn Walter Röhrl bei der Fahrvorstellung des GTS im Februar 2020 bestätigt hat, dass unter dem Strich der Vierzylinder genauso schnell ist, so spricht der Sechszylinder deutlich die Emotionen an.

Das kompakte 550er-Gefühl ist aber in den 25 Jahren irgendwie verlorengegangen. Und bei all den schönen ausgearbeiteten Details ist doch auch etwas von der alten Klarheit im Interieur verloren gegangen. Fahrwerk, Lenkpräzision und besonders das PDK sind an Präzision kaum zu überbieten – aber unser Herz hängt am Urmodell. Happy birthday, Boxster! (ampnet/mk/Fotos:Matthias Knödler)

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